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Ziele und wesentlichen Merkmale der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung

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tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung

Die tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung ist ein System zur zielgerichteten und umfassenden Analyse und Bewertung von Arbeitsmethoden und Arbeitsplätzen. Zu diesem Zweck werden alle unfall- und krankheitsbewirkenden Einflussfaktoren von Tätigkeiten und Handlungsprozessen dargelegt und diese einer risikoabhängigen Betrachtung unterzogen. Unter Berücksichtigung stehen technische, organisatorische und persönliche Aspekte und deren Zusammenwirken untereinander. Aber was gehört denn nun zu den Merkmalen der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung?

Die Ziele vor Augen führen – Step-by-Step

Als Bestandteil des stetigen Arbeitsprozesses stellt die tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung den sicheren Handlungsablauf dieser Prozesse dar. In ihr sind die Gefahren und Risiken der jeweiligen Tätigkeiten arbeitsplatzbezogen dargelegt und deren Gegenmaßnahmen zum Schutz und zur Sicherheit von Mensch und Umwelt aufgeführt. Dies dient zur Vorbeugung unvorhergesehener Ereignissen im Arbeitsprozess, welche die Arbeitssicherheit stören könnten.

Unter anderem sind dabei Gefährdungen zu berücksichtigen, welche mit der Benutzung von Arbeitsmitteln und Arbeitsstoffen sowie deren Wechselwirkungen untereinander hervorgerufen werden oder aber durch die Arbeitsumgebung selbst. Die tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung bewertet diese Faktoren durch Festlegung entsprechender Schutzmaßnahmen.

Welche Rechtsgrundlage besteht?

Die Rechtsgrundlage und somit gesetzliche Basis für die Erstellung tätigkeitsbezogener Gefährdungsbeurteilungen ist das Arbeitsschutzgesetz, welches für alle Tätigkeitsbereiche mit Ausnahme der Privathaushalte gilt. Desgleichen ergibt sich die Verpflichtung zur Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen aus der Betriebssicherheitsverordnung. In beiden Rechtsvorschriften ist festgelegt, dass der Arbeitsgeber zum Schutz seiner Beschäftigten die Arbeitsbedingungen im Unternehmen einschätzen und sich daraus ableitende notwendige Schutzmaßnahmen ergreifen muss.

Für spezielle Bereiche wie dem Bergbau oder der Schifffahrt gibt es weitere entsprechende Arbeitsschutzvorschriften mit jeweiligen Rechtsvorschriften zur Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen. Darüber hinaus sind in einzelnen Vorschriften von Unfallversicherungsträgern konkrete Festlegungen zu Gefährdungsbeurteilungen und deren Erfassung enthalten.

Grundsätzlich gilt, dass Gesetze und Verordnungen rechtsverbindlich sind. Hingegen die technischen Regelwerke zu den Arbeitsschutzverordnungen als auch verbindliche Rechtsnormen von Unfallversicherungsträgern und Berufsgenossenschaftliche Regeln und Informationsschriften sind als praktische Handlungshilfen unterstützende Hilfsmittel zur Erstellung von tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilungen. Rechtsverbindlich sind sie jedoch nicht. Für die Anwendung sind diese Normen dennoch nützlich und erfüllen bei der Umsetzung die zutreffenden Anforderungen.

Ziele der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung

Die tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung stellt im Rahmen einer gezielten Prävention die Grundlage eines wirksamen betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes zur Verhütung von Arbeitsunfällen und berufs- sowie tätigkeitsbedingten Gesundheitsgefahren dar. Gleichzeitig ist sie Voraussetzung dafür, Arbeitsverfahren, Tätigkeitsabläufe, Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe entsprechend so auszuwählen oder zu gestalten, dass Defizite in der Organisation, Fehlverhalten und technische Ausfälle beseitigt oder verringert werden.

Sie dient ebenso dazu, sich die Gefahren am Arbeitsplatz bzw. sich die Tätigkeiten der zu verrichtenden Arbeit bewusst zu machen. Die wichtigsten Ziele des Arbeitsschutzes sind der Erhalt des Lebens, der Gesundheit und des Wohlbefindens der Beschäftigten. Die Gefährdungsbeurteilung ist dabei Basis zum Erreichen dieser Ziele. Durch die bewusste Wahrnehmung der Gefahren werden konkrete Verhaltensregeln für die Umsetzung der Schutzmaßnahmen erarbeitet.

Gefährdungsbeurteilungen tragen bei sinnvoller und richtiger Anwendung zur Reduzierung und Vermeidung von Ausfallzeiten der Beschäftigten und berufsbedingten Erkrankungen bei. Störungen im Arbeitsablauf lassen sich ebenso dezimieren, was letztendlich zu einer Kostensenkung führt. Die körperliche und psychische Gesunderhaltung der Beschäftigten ist dabei ein Leitziel bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilungen.

Die Vorgehensweise im Detail

Zur praktischen Umsetzung werden verantwortliche Personen festgelegt, die ein Arbeitsteam bilden und die einzelnen Verfahrensschritte festlegen. Der Gesetzgeber schreibt dabei keine konkrete Methode vor. Als praxisnah und sinnvoll erweist sich die Einbeziehung der Mitarbeiter, die das Risikopotential ihrer Tätigkeiten selbst beurteilen und die ihnen bekannten und während der Tätigkeit auftretenden Gefährdungen und Belastungen schildern. Dabei beteiligt man die Mitarbeiter aktiv an der Erstellung der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung.

Bereits vorhandene Schutzmaßnahmen werden überprüft und ebenso einer Bewertung unterzogen. Sind diese nicht ausreichend, so sind weitergehende Maßnahmen einzuleiten und umzusetzten, um das gewünschte Schutzziel zu erreichen. Dies führt letztendlich zu einer Risikominimierung. Mit dieser Art der Umsetzung sind konkrete Verhaltensegeln zu erarbeiten, die für die Beschäftigten nachvollziehbar umzusetzen sind.

Daraus resultierend sind in diesem Zuge die Betriebsanweisungen auf ihre Anwendung hin zu überprüfen, zu aktualisieren und zu überarbeiten. Die Beschäftigten sind motiviert, diese einzuhalten und anzuwenden. Überdies führt diese Methode zum aktiven Informations- und Erfahrungsaustausch der Mitarbeiter untereinander. Letztendlich wird die sichere Ausführung der Tätigkeitsprozesse ermöglicht und der Arbeitgeber erfüllt die gesetzlichen Anforderungen.

Psychische Belastung als besonderer Schwerpunkt

Zu Beginn ist es sinnvoll zunächst die Maßnahmen zur Beseitigung der Gefährdungen zu treffen, die auf die Beschäftigten am stärksten einwirken. Das betrifft hauptsächlich besonders risikobehaftete Arbeitsplätze und Arbeitsprozesse sowie Tätigkeiten mit wahrscheinlichen Unfall- und Gesundheitsrisiken. Weitere Schutzmaßnahmen werden nach den Gesichtspunkten der Dringlichkeit und der zeitlichen und praktischen Durchführbarkeit festgelegt.

Für eine gesonderte Beurteilung psychischer Belastung gibt es keine Pflicht, jedoch wird in immer mehr Unternehmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Gefährdung durch psychische Belastung geprüft. In Hinblick auf den wachsenden Leistungsdruck, die Menge der Aufgaben oder auch Fehlkommunikation führt Prävention am Arbeitsplatz zum Beispiel durch Mitspracherecht am Arbeitsplatz zur Senkung der psychischen Belastung.

Zudem haben die psychischen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschäftigten letztendlich für den Arbeitgeber und das Unternehmen ebenfalls Konsequenzen, da dies nachweislich unter anderem zu einem Absinken der Arbeitsleistung führt und Leistungseinbußen zu erwarten sind. Umso vorteilhafter wirkt sich die Einbeziehung der Mitarbeiter bei der Erstellung der Tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung aus, da ihnen die Arbeitsabläufe und die daraus resultierenden Belastungen bekannt sind. Die Nutzung dieses Erfahrungsschatzes einzubeziehen obliegt der verantwortlichen Person für die Erarbeitung der Gefährdungsbeurteilung.

Wesentliche Merkmale der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung

Eine vollständige Erfassung der Gefährdungen ist nur dann gegeben, wenn das konkrete Arbeitssystem bekannt ist, in dem der zu bewertende Arbeitsplatz oder die zu beurteilende Tätigkeit angesiedelt ist. An dieser Stelle wirken Personal, Technik und Organisation eines Unternehmens zusammen. Zudem sind diese ganzheitlich zu betrachten, um Risiken bewerten und notwendige Maßnahmen ergreifen zu können. Es sind demnach alle Prozessabläufe zu betrachten, um mögliche Gefährdungen und Belastungen daraus zu ermitteln.

Anschließend ist das konkrete Schutzziel der Gefährdung bzw. Belastung festzulegen. Daraus resultierend werden die möglichen Maßnahmen zur Erreichung des angestrebten Schutzzieles bestimmt. Diese sind weiterführend auf ihre Wirksamkeit hin zu bewerten und hierarchisch zu gliedern.

Die Vermeidung der Gefährdung ist dabei die beste Maßnahme. Ist dies nicht umsetzbar, so sind entsprechende Maßnahmen zu treffen, und somit eine Gefährdung so gering wie möglich zu halten.

Verantwortlich für die Erstellung und Umsetzung der Tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung ist der Arbeitgeber. Durch aktive Einbeziehung der Mitarbeiter bei der Erstellung und Überprüfung sowie Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung sind diese für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen zu sensibilisieren. Alle Kriterien der Gefährdungsbeurteilung sind fortlaufend zu dokumentieren und regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen.


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