• 0228 955 0220

Systemische Gesprächsführung – 3 Varianten und 40 Beispielfragen

© Fotolia
Systemische Gesprächsführung

Systemische Gesprächsführung: Wie gehen Sie am besten vor, damit Sie mit Ihrem Klienten zu einer guten Lösung kommen? Ist Ihr Gegenüber eher ruhig und redet nicht gerne, erweist sich ein Gespräch oft als schwierig. Aber es gibt Möglichkeiten, Antworten zu bekommen, ohne dass Ihr Klient viel reden muss. Stellen Sie einfach die richtigen Fragen. Welche Fragetechnik Sie dabei anwenden, hängt von Ihrem Gesprächspartner ab.

Systemische Gesprächsführung – was sind systemische Fragen?

Bei dieser Art Fragestellung eröffnen sich neue Perspektiven. Außerdem hilft dies Ihrem Klienten, seine Sichtweise differenzierter zu betrachten. Diese Fragen verdeutlichen die Beziehung zwischen Personen und Systemen, und zwar in denen wir täglich agieren. Sie verstehen Handlungsweisen und Zusammenhänge besser. Außerdem fällt es Ihnen leichter, diese zu hinterfragen bzw. zu verändern.

Außerdem regen systemische Fragen einige Punkte im Gehirn an. Diese sind Fantasie, Gedanken und Reflexion. Hierdurch haben Sie die Möglichkeit, auf eigenen Lösungsideen zu kommen. Außerdem verlassen Sie festgefahrene Wege. Zudem lernen Sie, eigene Muster und neue Möglichkeiten zu erkennen. Systemische Fragen dienen allerdings auch dazu, den Kern der Probleme zu finden. Somit bekommt nicht nur Ihr Klient durch diese Fragen tiefe Einblicke in seine Gedanken und Gefühlswelt. Auch Sie bekommen diese Einblicke.

Bei der systemischen Gesprächsführung sind diese Fragetechniken sehr bewährt. Insbesondere in den Bereichen Coaching, Beratung und Therapie. Besonders bewährt haben sich im Folgenden angewandte Fragetechniken:

  • zirkuläre Fragen
  • Skalierungsfragen
  • hypothetische Fragen
  • die Wunderfrage von de Shazer im Coaching und der systemischen Therapie
  • paradoxe Fragen
  • lösungsorientierte Fragen / ressourcenorientierte Fragen

Im Folgenden werden Ihnen die gängigsten drei Varianten erläutert, und zwar der Fragetechniken die systemische Gesprächsführung betreffend. Außerdem finden Sie jeweils Beispielfragen.

Systemische Gesprächsführung – 1. Variante und die passenden Beispielfragen

An erster Stelle stehen die zirkulären Fragen. Diese geben Ihrem Klienten folgende Möglichkeit: das Wechseln der Perspektive. Denn die Befragung dreht sich nicht um die eigenen Handlungen und Einstellungen, vielmehr um die anderer Personen aus dem Umfeld des Klienten. Diese Fragestellung bietet die gezielte Einnahme, nämlich von unterschiedlichen Positionen, aber auch Sichtweisen. Hierdurch werden Prozesse erforscht, aber auch aufgedeckt – und zwar in Beziehungssystemen.

Mit zirkulären Fragen setzen Sie neue Denkprozesse in Gang. Außerdem setzen Sie neue Sichtweisen frei. Hiermit legen Sie die Basis für eine Veränderung. Grundsätzlich kommt die Frageart aus der systemischen Therapie. Allerdings hat sie sich auch im Coaching und in der Beratung bewährt. Als wertvolles Tool.

Zudem besteht die Möglichkeit, Personen aus dem Umfeld mit einzubeziehen. Zum Beispiel bei einem Gruppengespräch.

Beispielfragen

  1. Was meinen Sie, wie sich Ihr Kollege in dieser Situation fühlt?
  2. Wie würde Ihr Mitarbeiter die Situation einschätzen?
  3. Was denken Sie, wie Ihr Kunde auf die Preisänderung reagiert?
  4. Wie könnte Ihr Chef auf die Neuerungen reagieren?
  5. Sie positionieren sich in der Situation anders: Was würde Ihr Kollege dazu sagen?
  6. Wie würde Ihr Vorgesetzter mit der Situation umgehen?
  7. Sie schlagen eine Veränderung vor: Was meinen Sie, würde Ihr Geschäftspartner sagen?
  8. Wer leistet Ihrer Meinung nach aus der Sicht Ihres Chefs bessere Arbeit: Sie oder Ihre Kollegin?
  9. Wenn Sie Ihren Chef fragen, welche Atmosphäre im Team herrscht: Was würde er sagen?
  10. Was glauben Sie, denken Ihre Kollegen über Ihre Arbeit?
  11. Wie würde Ihr Kollege dieses Problem lösen?
  12. Was denken Sie, wie Ihr Kollege diesen Arbeitsschritt meistert?

Systemische Gesprächsführung – 2. Variante, die Skalierungsfragen

Skalierungsfragen werden in vielen Bereichen eingesetzt. Unter anderem im Coaching, in der systematischen Therapie und in der Beratung. Es gibt Dinge, die sind in der Realität objektiv schwer messbar. Zum Teil sind sie auch gar nicht messbar. Um etwas über diese Dinge zu erfahren, werden gern Skalierungsfragen eingesetzt. Hiermit besprechen Sie subjektiv folgende Empfindungen:

  • Zufriedenheit
  • Motivation
  • Wahrnehmungen
  • Eindrücke
  • Gefühle
  • Fortschritte

In der Regel spricht man von einer Skala. Die geht von 0 bis 10. Grundsätzlich steht 0 für die schwächste Ausprägung. 10 hingegen steht für die stärkste Ausprägung. Somit hat Ihr Klient die Möglichkeit, die Frage mit einem Wert zu benennen. Was der Wert genau bedeutet, wird hierbei nicht klar definiert.

Beispielfragen

  1. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie zufrieden sind Sie?
  2. Für wie gut beurteilen Sie die Situation auf einer Skala von 1 bis 10?
  3. Wie ist Ihr derzeitiges Verhältnis auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten?
  4. Wie würden Sie Ihre Zufriedenheit einschätzen? Auf einer Skala von 1 bis 10?
  5. Wenn es um Ihre Leistungen geht: Wie würden Sie diese auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten?
  6. Sie halten eine Präsentation: Auf einer Skala von 1 bis 10, wie gestresst sind Sie da?
  7. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie glücklich sind Sie mit der Situation?
  8. Wie haben Sie es geschafft, auf eine 7 zu kommen?
  9. Was hat sich getan, dass Sie von einer 5 auf eine 8 gelangt sind?
  10. Um sich von einer 4 auf eine 6 zu steigern, was müsste dafür passieren?
  11. Was glauben Sie, hat dafür gesorgt, dass Sie sich auf eine 3 verringert haben?
  12. Auf einer Skala von 1 bis 10: Für wie motiviert halten Sie Ihre Mitarbeiter?
  13. Was meinen Sie, wie erfolgreich Sie in Ihrer Arbeit sind auf einer Skala von 1 bis 10?

Systemische Gesprächsführung – hypothetische Fragen als 3. Variante

Hypothetische Fragen beziehen sich meist auf die Zukunft. Somit erhält Ihr Klient folgende Möglichkeiten:

  • neue Blickwinkel und Lösungsansätze in Gedanken durchzuspielen

In dem Bereich systemische Gesprächsführung geht nicht immer um Lösungen. Bei dieser Art Fragestellung dreht es sich um die Durchführbarkeit neuer Wege. Aber auch neue Lösungen und Wunschvorstellungen zu bewerten. Indem Ihr Klient mögliche Szenarien beschreibt, erlebt er diese in Gedanken. So kann eine gewünschte Lösung oder Änderung herbeigeführt werden. Zudem wird seine Kreativität angeregt. Aber auch die Eigeninitiative.

Ihrem Klienten wird so oft selber klar, ob der Weg erstrebenswert ist. Oder überhaupt umsetzbar. Die Folgen einer Umsetzung der Lösung oder Veränderung werden besser von Ihrem Klienten abgeschätzt.

Es gibt zu den hypothetischen Fragen noch eine Unterkategorie. Man spricht hierbei von Verschlimmerungsfragen. Diese werden oft als Provokation eingesetzt. Allerdings nur, wenn die Situation festgefahren ist. Dem Klienten wird aufgezeigt, was sich zu der schwierigen Situation außerdem verschlimmert.

Beispiele für hypothetische Fragen

  1. Wenn Geld keine Rolle spielt, wie würden Sie dann an die Situation herangehen?
  2. Wie sieht für Sie der perfekte Zustand aus?
  3. Was müssten Sie tun, um noch mehr davon zu erreichen?
  4. Wenn Sie ganz allein entscheiden können, was würden Sie tun?
  5. Wenn Zeit unwichtig ist, wie würden Sie dann an die Aufgabe herangehen?
  6. Was denken Sie, wie eine Woche in diesem Beruf Ihrer Meinung nach aussehen würde?
  7. Wie wäre die Reaktion Ihrer Frau, wenn Sie den Plan umsetzen?
  8. Wenn Sie sich plötzlich nicht mehr über Ihren Kollegen aufregen: Was wäre dann?
  9. Wie sieht Ihr absoluter Traumberuf aus?
  10. Das Problem besteht in sechs Monaten immer noch: Welche Folgen hätte das?

Verschlimmerungsfragen

Wenn es um die systemische Gesprächsführung geht, müssen hin und wieder kleine Provokationen her. Diese finden Sie, indem Sie folgende Arten von Fragen stellen:

  1. Gehen wir mal davon aus, Sie wollen sich Stress machen. Wie stellen Sie das am besten an?
  2. Wie müssen Sie vorgehen, damit alles noch schlimmer wird?
  3. Sie möchten, dass alles so bleibt, wie es ist? Wie müssen Sie sich dann verhalten?
  4. Es gelingt Ihnen nicht, dieses Problem zu lösen. Was müsste im schlimmsten Fall passieren, damit es so bleibt?
  5. Gehen wir einmal davon aus, wir wollen den Kunden so richtig verärgern. Zum Beispiel bei der nächsten Preisaktion: Was sollten wir dann tun?

Fazit

Systemische Gesprächsführung bietet Ihnen viele Möglichkeiten. Hier sehen Sie insgesamt 3 Varianten der Fragearten. Zudem sind Ihnen 40 Beispielfragen aufgezeigt. Dies zeigt, wie weitreichend die systemische Gesprächsführung ist. Das Thema systemische Gesprächsführung ist sehr komplex. Aber hiermit erhalten Sie einen kleinen Einblick unter anderem darin, welche Möglichkeiten Sie haben. Mit der richtigen Fragestellung erreichen Sie eine Menge. Dies ist aber abhängig von Ihrem Gegenüber.


Das könnte Sie auch interessieren: Verhaltensmuster verstehen und reflektieren

* Selbstverständlich können Sie den 150 Euro Gutschein sowie eBooks und Leitfäden auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2019 [r]evolution. Impressum | Datenschutz