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Risikobewertung und Gefährdungsbeurteilung – Das ist gesetzlich vorgeschrieben

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Risikobewertung

In vielen Handlungshilfen fallen häufig die beiden Begriffe Gefährdungsbeurteilung und Risikobewertung. Bei beiden Begriffen gibt es Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Wichtig ist auch, dass bei beiden Methoden unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen herrschen. Daher muss geklärt werden, was in beiden Fällen gesetzlich vorgeschrieben ist und was nicht. Klar ist, dass Gefährdungen und Risiken im Arbeitsleben allgegenwärtig sind.

Der Gesetzgeber verpflichtet Arbeitgeber daher, Schutzmaßnahmen durchzuführen. Voraussetzung dafür ist jedoch die Kenntnis über mögliche Schadensquellen und -arten.

Gefährdungsbeurteilung oder Risikoanalyse

Dazu haben Arbeitgeber mit der Risikobewertung oder der Gefährdungsbeurteilung zwei Möglichkeiten. So kann eine Risikobewertung erfolgen oder es muss eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Risikoanalysen formieren dabei allgemeine Aussagen zu Gefährdungen. Sie basieren auf Statistiken oder wissenschaftlichen Erhebungen und Ähnlichen.

Gefährdungsbeurteilungen dagegen treffen Aussagen zu konkreten Gefährdungen in konkreten Situationen. Das heißt, sie sind nicht allgemeingültig und damit auch nicht auf beliebige Situationen übertragbar.

Was ist eine Risikoanalyse?

Das Wort Risiko ist ein allgemeingültiger Begriff, der mit Gefahren und Gefährdungen zu tun hat. In der Euro-Norm DIN EN ISO 12100 „Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze – Risikobeurteilung und Risikominimierung“ wird er als eine Kombination verwendet: Das Risiko ist zum einen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schaden eintritt, aber auch das mögliche Ausmaß eines Schadens.

In weiteren Vorschriften OHSAS 18001 und ISO 45001 ist das Risiko etwas anders bewertet. Dabei steht vor allem die Wahrscheinlichkeit negativer Ereignisse im Fokus. Bei der DIN EN ISO 12100 geht es um die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Schadens.

Risikoanalyse und ihr Problem

In jedem Fall geht es um die Quantifizierung der Wahrscheinlichkeit eines Schadensfalls. Nur sieht die Realität anders aus. Klare und leicht händelbare Systemzustände gibt es kaum. Bei Arbeitsplätzen und Arbeitsstätten gibt es viele Eventualitäten und Zustände, die kaum gleichzeitig zu erfassen sind. Außerdem kann vieles unerwartet und unbekannt sein. So gibt es etwa Unfälle mit Maschinen, die in einigen Unternehmen nie vorkommen, in anderen Unternehmen aber vorkommen können.

Diese Daten sind zudem nicht immer verfügbar. So werden nur bedingt aussagekräftige Risikoabschätzungen durchgeführt. Daher finden sich in solchen Einschätzungen auch allgemeingültige Aussagen und Beschreibungen wie häufig, selten, unwahrscheinlich etc.

Die Gefährdungsbeurteilung mit oder ohne Risikobewertung

Der Gesetzgeber gibt den Arbeitgebern im Arbeitsschutzgesetz klar vor, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Das Ziel dabei ist nicht nur, mögliche Wahrscheinlichkeiten für einen möglichen Unfall zu beschreiben. Es geht darum zu erfassen, ob Gefährdungen vorhanden sind. Daher stellt die Wortwahl der Gefährdung auch keine weiteren Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit des Auftretens.

Wichtig ist nur, ob eine Gefährdung als Möglichkeit eines Schadens oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung auftreten kann. Zur weiteren Spezifizierung gibt es die Abschätzung der Schwere eines möglichen Schadens.

Die staatlichen Vorschriften zum Arbeitsschutz, Technische Regeln und Ähnliches kommen ohne das Wort Risiko aus und zielen nicht auf die Ermittlung von Wahrscheinlichkeiten ab. Daher können Gefährdungsbeurteilungen unter anderem wie folgt formuliert sein: Die Leiter kann umstürzen und schwere Verletzungen sind nicht auszuschließen. Es reicht dabei also allein das Vorhandensein einer Gefährdung aus. Der Arbeitgeber muss Abhilfe schaffen.

Eine geeignete Maßnahme wäre also zum Beispiel, die Leiter sicher zu lagern, sicher aufzustellen, festhalten zu lassen usw.

Gefährdungsbeurteilung ohne Risikoanalyse

Für Unternehmer ist es wichtig zu wissen, dass die Risikobewertung und die Gefährdungsbeurteilung keine gleichwertigen Prozesse sind. Die Gefährdungsbeurteilung ist ein Prozess, der betrieblich organisiert wird, um Erkenntnisse über Gefährdungen zu gewinnen und Gegenmaßnahmen treffen zu können. Dazu gehören Messungen, Begehungen, Auswertung von Fachliteratur und Befragungen der Mitarbeiter. Dazu kann auch eine Risikoanalyse erfolgen.

Das Arbeitsschutzgesetz nennt zwei wichtige Faktoren zur Arbeitssicherheit. Die Gefährdungen müssen vermieden und minimiert werden. Außerdem sind sie an der Quelle zu suchen und zu beseitigen. Daher ist es kaum erforderlich, hier Wahrscheinlichkeiten für Unfälle und Schäden heranzuziehen. Die potenziellen Gefahren müssen erkannt und verhindert werden. So sind Risikobewertungen bei einer ausreichenden Datengrundlage sinnvoll. Schätzungen sind vage und subjektiv und können zu unterschiedlichen Urteilen in der Gefährdungsbeurteilung führen.

Die gesetzlichen Grundlagen

Wenn es um die Analyse der Arbeitsplatzgefährdung geht, fällt häufig der Begriff Risikobewertung. Aber ist diese auch gesetzlich vorgeschrieben? Reicht es aus, die festgestellten Gefährdungen durch erforderliche Maßnahmen zu beseitigen?

Für Arbeitgeber besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung. Die dazu gehörige gesetzliche Grundlage bieten das Arbeitsschutzgesetz und die dazu passenden Rechtsverordnungen wie Betriebssicherheitsverordnung, Biostoffverordnung oder Gefahrstoffverordnung.

Gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzes müssen die Arbeitsbedingungen beurteilt werden. Dazu gehören die Ermittlung der Gefährdung, die Beurteilung der Gefährdung (Vergleich mit Sicherheits- und gesundheitsgerechten Sollzustand) sowie die Festlegung und Durchführung geeigneter Maßnahmen.

  • § 6 Arbeitsschutzgesetz sagt außerdem aus, dass der Arbeitgeber über erforderliche Unterlagen verfügen muss, abhängig von den Tätigkeiten und der Zahl der Mitarbeiter. Die Unterlagen müssen Auskunft über das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung geben, festgelegte Maßnahmen nennen und Ergebnisse der Überprüfung beinhalten.

Dazu können Arbeitgeber verschiedene Methoden oder Verfahren nutzen. Hier sind Begehungen, Befragungen und Interviews der Mitarbeiter zu nennen, aber auch sicherheitstechnische Überprüfungen. Außerdem müssen spezielle Ereignis-, Sicherheits- und Risikoanalysen erfolgen. Welche Methoden und Verfahren genutzt werden, hängt von verschiedenen Faktoren wie Gefahrenpotenzial, Arbeitsverfahren und eingesetzten Arbeitsmitteln ab.

Wichtig sind zudem bereits vorhandene Informationen und Erfahrungswerte mit Blick auf personelle und organisatorische Voraussetzungen im Unternehmen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung sollte man nach Möglichkeit alle Faktoren berücksichtigen, die zu Unfällen und Beeinträchtigungen der Gesundheit führen können. Bei der Risikobewertung werden im Arbeitsschutz die Kriterien nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensschwere aufgeführt. Daraus ergibt sich eine Risikomaßzahl. Sie gibt Aufschluss über die mögliche Höhe des Risikos und den Handlungsbedarf. Es gibt jedoch keine gesetzliche Verpflichtung, die Risikobewertung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung anzuwenden.

Fazit

Zusammenfassend kann man festhalten, dass ein eindeutiger Unterschied zwischen Gefahrenanalyse bzw. Risikobewertung und der Gefährdungsbeurteilung besteht. Beide Verfahren werden genutzt, um mögliche Gefahrenpotenziale zu erfassen und zu bewerten. Sie finden jedoch in unterschiedlichen Bereichen Anwendung. Die Begriffe Gefahrenanalyse und Risikobeurteilung meinen das gleiche Verfahren und sind synonym zu gebrauchen.

Die Gefährdungsbeurteilung soll Gefährdungen erfasst, die in Arbeitsbereichen eines Unternehmens auftreten können. Der Unternehmer ist verantwortlich und muss die Gefährdungsbeurteilung durchführen. Die Gefährdungsbeurteilung ist dabei ein langfristiger Prozess, der unter Umständen wiederholt, regelmäßig zu überprüfen und anzupassen ist.

Bei der Risikobewertung dagegen muss der Hersteller eines Gerätes oder einer Maschine die Gefahren und Risiken betrachten, die eventuell vom Produkt ausgehen könnten. Dies findet im Rahmen der Konstruktion und Entwicklung statt.


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