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Das sind die schwerwiegenden Auswirkungen von Mobbing für Betroffene und das Unternehmen

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Mobbing

Mobbing ist das systematische, zielgerichtete und längerfristige Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte. Die Auswirkungen für Betroffene und das Unternehmen sind gravierend. Wie Betroffene konkret unter Mobbing leiden und welche Folgen sich daraus für sie sowie Ihr Unternehmen ergeben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Mobbing macht Betroffene krank

Mobbing-Opfer, die von Arbeitskollegen und Vorgesetzte monatelang „fertiggemacht“ werden, stecken das nicht ohne weiteres weg. Vielmehr verlieren sie auf Dauer regelmäßig ihre Kraft, ihren Mut und ihr Selbstbewusstsein. Diese Auswirkungen des Mobbings gehen meist einher mit Depressionen und Resignation. Viele Betroffene machen  nur noch „Dienst nach Vorschrift“ und flüchten sich in Alkohol oder Drogen. Teilweise besteht sogar Suizidgefahr.

Nicht nur im betrieblichen, sondern auch im zwischenmenschlichen Bereich ziehen sich viele Opfer zurück. Mobber nutzen diese Situation des beruflichen Rückzugs und der typischen Opferhaltung des Betroffenen meist schamlos aus. Nach dem Motto „Ich habe es doch gleich gesagt“ wird der Betroffene noch mehr gemobbt. Dadurch erhöht sich zwangsläufig der Leidensdruck des betroffenen Arbeitnehmers.

So sehen die häufigsten Beschwerden der Betroffenen aus

Mobbing-Opfer leiden insbesondere an folgenden Symptomen:

  • Abnehmendes Interesse an der Arbeit und am privaten Umfeld
  • Angstzustände
  • Atemnot
  • Depressionen und Weinkrämpfe
  • Ess-Störungen und Erbrechen
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Innere Unruhe, Hektik und Rastlosigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Magengeschwüre
  • Neurotische und psychotische Störungen
  • Resignation, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung
  • Selbstzweifel, zunehmende Unsicherheit und abnehmende Entscheidungsfähigkeit
  • Ständige Unzufriedenheit
  • Suizidgedanken
  • Überempfindlichkeit und Nervosität
  • Zunehmende Stimmungsschwankungen zwischen Wut und Resignation
  • Zunehmende Suchtgefahr durch Einnahme von Alkohol, Drogen und Schmerzmittel

Im ungünstigsten Fall wird der Arbeitnehmer aufgrund psychischer Symptome dauerhaft arbeitsunfähig. Darüber hinaus führen speziell innere Unruhe, Hektik und Nervosität als Auswirkungen von Mobbing zu mittelbaren Folgen und Gefahren für den Betroffenen. Dazu gehören etwa vermeidbare Verkehrsunfälle oder Stürze bei Haushalts- und Sportaktivitäten.

Das sind die Auswirkungen von Mobbing für Betroffene

Ein Mobbing-Opfer leidet nicht nur unter der schlechten Arbeitsatmosphäre und seiner durch die Schikane beeinträchtigten Leistungsfähigkeit. Vielmehr wird der Gemobbte auch in seiner Privatsphäre durch die Folgen des Mobbings beeinträchtigt: So muss er sich etwa wegen der erlittenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen in ärztliche Behandlung begeben. Darüber hinaus steckt das Opfer in einem Teufelskreis.

Verlust des Arbeitsplatzes droht

Wird der Betroffene aufgrund der Folgen des Mobbings krankgeschrieben, sorgt das für Unmut bei den Kollegen, die die Arbeit der Erkrankten miterledigen müssen. Daher drohen nach der Genesung erneute Mobbing-Attacken mit der Folge wiederholter Arbeitsunfähigkeit. Das kann – wenn der Arbeitgeber nicht über das Mobbing informiert ist – zu einer krankheitsbedingten Kündigung führen. Dies gilt ebenso im Falle einer dauerhaften krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit.

Es kann aber auch sein, dass der Gemobbte zur Arbeit erscheint. In diesem Fall passiert es häufig, dass er aufgrund seiner durch das Mobbing erlittenen Beeinträchtigungen nicht oder nicht vollständig leistungsfähig ist. Das wiederum kann schlechte Arbeitsergebnisse nach sich ziehen. Ist dem Arbeitgeber der Grund dafür unbekannt, also das Mobbing, muss der Arbeitnehmer nach wiederholter Abmahnung mit einer Kündigung wegen Schlechtleistung rechnen.

Und schließlich kann der Arbeitnehmer vor Verärgerung über das Mobbing eine unbedachte, insbesondere beleidigende Äußerung gegenüber Vorgesetzten von sich geben. Je nach Inhalt dieser Äußerung besteht für den Gemobbten die Gefahr, nach vorheriger Abmahnung verhaltensbedingt fristgemäß, wenn nicht sogar aus wichtigem Grund fristlos, gekündigt zu werden.

Mobbing-Opfer muss Teufelskreis durchbrechen

Letztendlich kann der Betroffene sich also verhalten, wie er möchte: Er begibt sich immer weiter in den Teufelskreis. Sollten Sie als Mitarbeiter des Personalmanagements erfahren, dass der Mitarbeiter unter Auswirkungen von Mobbing leidet, sollten Sie ihm helfen und den Schikanen auf den Grund gehen. Nur so kann der Betroffene vor (weiteren) gesundheitlichen Beeinträchtigungen und dem Verlust seines Arbeitsplatzes geschützt werden.

Wie die Auswirkungen von Mobbing das Unternehmen treffen

Mobbing beeinträchtigt nicht nur den Arbeitnehmer, sondern hat auch erhebliche, meist teure Folgen für Ihr Unternehmen. Das fängt bereits damit an, dass der Betroffene aufgrund seiner reduzierten Leistungsfähigkeit weniger effektiv arbeitet als sonst oder als vergleichbare Arbeitnehmer. Wird das Mobbing-Opfer krankgeschrieben, hat der Arbeitgeber bis zu 6 Wochen Entgeltfortzahlung zu leisten, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten.

Auch eine gegenüber dem Arbeitnehmer erteilte Kündigung hat ihre Tücken. Erhebt das Mobbing-Opfer Kündigungsschutzklage, kostet der nachfolgende Kündigungsschutzprozess den Arbeitgeber Geld, Zeit und Nerven. Kommt es vor dem Arbeitsgericht, wie so häufig, zu einem Vergleich, muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine meist teure Abfindung zahlen.

Hat der Arbeitgeber nachweislich gegen das Mobbing keine oder nur unzureichende Maßnahmen ergriffen, kommen gegen ihn unter anderem Schadensersatzansprüche wegen der Verletzung der Fürsorgepflicht in Betracht. Doch das ist noch nicht alles: Rechtliche Probleme im Kontext des Organisationsverschuldens sowie mögliche Schmerzensgeldansprüche des Gemobbten können ebenfalls folgen.

Kündigung des „falschen“ Arbeitnehmers kann sich für das Unternehmen rächen

Wurde dem Gemobbten (ungerechtfertigt) gekündigt, kann das zudem dazu führen, dass das Unternehmen sich selber schadet. Denn handelt es sich bei dem Gekündigten etwa um eine Fachkraft mit speziellen Kenntnissen oder Erfahrungen, kann es schwierig sein, eine ebenso qualifizierte Ersatzkraft zu finden.

Daneben ist es denkbar, dass sich etwa im Kündigungsschutzprozess herausstellt, dass dem „falschen“ Arbeitnehmer gekündigt wurde. Der Arbeitgeber muss dann allein bereits aus Autoritätsgründen gegen die Mobber mit arbeitsrechtlichen Mitteln vorgehen, wodurch zusätzlicher Unfrieden im Unternehmen entsteht.

Auswirkungen von Mobbing als Arbeitsunfall?

Wird die Gesundheit der Arbeitnehmer durch einen Arbeitsunfall geschädigt, haben sie Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung, §§ 26ff Sozialgesetzbuch (SGB) VII. Dazu gehören etwa Heilbehandlungen, Rehabilitationsmaßnahmen oder eine Verletztenrente. Ein Arbeitsunfall liegt vor, wenn der Arbeitnehmer bei der versicherten Tätigkeit einen Unfall erleidet. Dabei sind Unfälle von außen auf den Körper wirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen, § 8 Abs. 1 Satz 2 SGB VII.

Die schädigende Einwirkung des Ereignisses ist allerdings höchstens auf die Dauer einer Arbeitsschicht begrenzt. Mobbing einschließlich der gesundheitlichen Beeinträchtigungen setzt jedoch regelmäßige Schikanen über einen längeren Zeitraum voraus. Daher fehlt es an der für einen Arbeitsunfall erforderlichen zeitlichen Komponente. Nur wenn eine einzelne konkrete Mobbinghandlung während einer Schicht als unmittelbare Ursache für einen Gesundheitsschaden angesehen werden kann, ist ein Arbeitsunfall ausnahmsweise denkbar (etwa Suizidversuch als Reaktion auf eine besonders schwere Mobbinghandlung).

Im Übrigen ist Mobbing keine anerkannte Berufskrankheit im Sinne der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV).


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