• 0228 955 0220

Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz

© contrastwerkstatt/Fotolia
Infektionsschutzgesetz

Die Belehrung nach der Lebensmittelhygiene-Verordnung – genauer: Belehrung gemäß § 43 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz – ist immer dann notwendig, wenn Personen Lebensmittel in gewerbsmäßiger Absicht behandeln, in den Verkehr bringen oder herstellen und dabei mit den zu verarbeitenden Lebensmitteln über Bedarfsgegenstände in direkten oder indirekten Kontakt kommen.

Was versteht das Infektionsschutzgesetz unter gefährdeten Lebensmitteln?

  • Geflügelfleisch, Fleisch oder Fleischerzeugnisse
  • Milch und/oder Milcherzeugnisse
  • Weichtiere, Krebse und Fische bzw. Erzeugnisse daraus
  • Säuglings- und Kleinkindernahrung
  • Speiseeis bzw. Speiseeis-Halberzeugnisse
  • Backwaren, deren Auflage oder Füllung weder durchgebacken noch durcherhitzt wurde
  • Fein und Rohkost
  • Mayonnaisen, Marinaden und andere emulgierte Saucen
  • Nahrungshefen
  • Samen zur Herstellung von Keimlingen und Sprossen, die für den Rohverzehr geeignet sind.

Auch Personen, die in Restaurants, Gaststätten, Cafés und ähnlichen Einrichtungen, die zur Gemeinschaftsverpflegung bestimmt sind, arbeiten, benötigen vor Beginn ihrer Tätigkeit eine Bescheinigung bzw. Unterweisung nach § 43 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz durch das für sie zuständige Gesundheitsamt.

Warum ist eine Belehrung nach § 43 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz notwendig?

Die zuvor genannten Lebensmittel sind anfällig dafür, da sich hier spezielle Krankheitserreger besonders schnell vermehren können. Der Verzehr derartig verunreinigter Lebensmittel führt dazu, dass Betroffene an einer Lebensmittelinfektion, wenn nicht sogar Lebensmittelvergiftung erkranken. Hinzu kommt, dass in Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung schnell eine große Anzahl Menschen davon betroffen sein kann.

Fazit: Die Belehrung gemäß § 43 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz wird gefordert, um Verbraucher und die Beschäftigten gleichermaßen zu schützen. Wie alle anderen Unterweisungen verlangt auch diese Belehrung ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Aber vor allem bezüglich der Beachtung und Einhaltung der Hygieneregeln!

Wann schreibt das Infektionsschutzgesetz ein Tätigkeitsverbot vor?

Sobald sich folgende Symptome zeigen bzw. der Arzt folgende Krankheiten diagnostiziert hat, wird ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen:

  • Plötzlich auftretender in der Regel ansteckender Durchfall ausgelöst durch folgende Erreger
    • Rotaviren
    • Campylobacter
    • Staphylokokken
    • Cholera-Bakterien
    • Shigellen
    • Salmonellen

Wichtig: Allgemein gilt diese Faustregel: Sollte ein Arbeitnehmer unter Durchfall leiden, dann darf er auf keinen Fall arbeiten. Außerdem muss er zeitnah einen Arzt aufsuchen.

  • Paratyphus und Typhus
  • Hepatitis A und E
  • Infizierte Wunden
  • Ansteckende Hauterkrankungen

Wichtig: Auch wenn der Arbeitnehmer sich trotz Erkrankung nicht schlecht fühlt, darf er trotzdem nicht arbeiten, da er Bakterien ausscheidet und ansteckend ist!

Die Symptome der Krankheiten, die ein Tätigkeitsverbot im Lebensmittelbereich nach sich ziehen

  • Durchfall mit Fieber, Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Typhus bzw. Paratyphus kündigt sich an durch Verstopfung und extrem starke Gelenk-, Bauch- und oder Kopfschmerzen; erst Tage später treten schwere Durchfälle auf.
  • Bei einer Cholera-Erkrankung zeigen sich milchig weiße Durchfälle, begleitet von einem hohen Flüssigkeitsverlust.
  • Werden die Haut und die Augäpfel gelb, besteht der Verdacht einer Hepatitis-A-Erkrankung.
  • Sobald Hauterkrankungen oder Wunden stark gerötet und/oder geschwollen sind und nässen, darf man nicht im Lebensmittelbereich arbeiten.

Wichtig: Zeigen sich bei Ihrem Arbeitnehmer die genannten Symptome, dann muss er Sie umgehend informieren. Außerdem muss er zeitnah einen Haus- oder Betriebsarzt aufsuchen.

Welches Verhalten sollte der Arbeitnehmer zeigen, um lebensmittelbedingte Infektionen zu verhindern?

  • Vor dem Antritt zur Arbeit, jedem neuen Arbeitsgang und nach dem Toilettenbesuch müssen die Hände unter fließendem Wasser mit Seife gewaschen werden. Es ist hygienischer, wenn zum Abtrocknen der Hände Einwegtücher verwendet werden.
  • Vor Arbeitsbeginn müssen Uhr, Armbänder und Ringe abgenommen werden.
  • Das Tragen einer kompletten und sauberen Schutzkleidung ist Pflicht! Dazu gehören Kittel, Haube, Schuhe für Innenräume und Einweghandschuhe.
  • Auf die zu verarbeitenden Lebensmittel darf weder genießt noch gehustet werden. Zudem müssen kleine und saubere Wunden an Armen oder Hände mit wasserundurchlässigen Pflastern abgedeckt werden.

Unterweisung nach dem Infektionsschutzgesetz: Das müssen Arbeitgeber beachten!

  • Auch Arbeitgeber im Lebensmittelbereich benötigen eine Unterweisung § 43 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz. Alternativ ist aber auch ein Gesundheitszeugnis gemäß § 18 Bundesseuchenschutzgesetz ausreichend.
  • Bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters darf die Bescheinigung der Unterweisung durch das Gesundheitsamt nicht älter als ein Vierteljahr sein.
  • Die Unterweisung nach § 43 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz ist alle zwei Jahre zu wiederholen. Die Teilnahme ist von den Mitarbeitern schriftlich zu bestätigen.
  • Die Bescheinigung der Mitarbeiter, einschließlich der eigenen, sowie die Dokumentation der letzten Belehrung sind so aufzubewahren, dass sie auf Verlangen jederzeit vorgelegt werden können.

Wichtig: Sollten bei Ihnen oder Ihren Mitarbeitern die oben genannten Erkrankungen ärztlich bestätigt sein, müssen in Ihrem Betrieb entsprechende Hygienemaßnahmen ergriffen werden, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Hierzu können Sie sich näher bei der Behörde für Lebensmittelüberwachung oder dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt informieren.


Das könnte Sie auch interessieren: Unterweisung nach Biostoffverordnung

* Selbstverständlich können Sie den 150 Euro Gutschein sowie eBooks und Leitfäden auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2019 [r]evolution. Impressum | Datenschutz