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Die Unternehmen müssen eine Gefährdungsbeurteilung erstellen

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Gefährdungsbeurteilung

Jedes Unternehmen muss eine Gefährdungsbeurteilung erstellen und ist verpflichtet, entsprechende Maßnahmen zum Arbeitsschutz festzulegen. So sollen Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter geschützt werden. Eine Gefährdungsbeurteilung ist daher zwingend erforderlich. Im Folgenden möchten wir daher bestimmte Fragen klären:

Warum muss ein Unternehmen die Gefährdungsbeurteilung erstellen? Welche gesetzlichen Vorgaben und Vorschriften gibt es dazu? Welche Schwierigkeiten können dabei auftreten? Gibt es Unterschiede bei großen und kleinen Unternehmen?

Gesetzliche Verpflichtung

Außerdem besteht für die Unternehmen aufgrund verschiedener Gesetze und Verordnungen diese Verpflichtung. So müssen laut § 5 des Arbeitsschutzgesetzes Arbeitgeber Gefahren, denen die Mitarbeiter ausgesetzt sind, ermitteln und beurteilen. Auch die Ergebnisse dieser Analyse müssen detailliert dokumentiert werden.

Weitere Vorgaben finden Verantwortliche auch in der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ oder in verschiedenen Verordnungen wie etwa der Arbeitsstätten-, Gefahrstoff- und Betriebssicherheitsverordnung. Wesentlicher Sinn und Zweck der Gefährdungsbeurteilung ist es, Schwachstellen im Bereich der Arbeitssicherheit aufzudecken und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

So besteht also nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch ein erheblicher Nutzen für die Unternehmen. Sinnvoll ist es, den Normalbetrieb, aber auch Störfälle und Instandhaltungsarbeiten bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.

Prävention von Unfällen und Krankheiten

Unternehmen müssen eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen, um Unfallgefahren zu beseitigen. Außerdem geht es dabei darum, Mitarbeiter vor Berufskrankheiten zu schützen und so den Krankenstand zu verringern. Damit können die Arbeitsabläufe im Unternehmen optimiert werden. Durch die Gefährdungsbeurteilung können Ausfallzeiten verringert und eine Kostenoptimierung erreicht werden. Nicht zuletzt erzielt das Unternehmen dadurch eine Qualitätssicherung und Verbesserung der Produkte.

Mit der Beurteilung lässt sich einfach ermitteln, welche Arbeitsplätze und Tätigkeiten besonders gefährdet und belastet sind. So können geeignete Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung kann man die Mitarbeiter über konkrete Belastungen und Gefährdungen bei der Arbeit informieren. Möglich sind auch eine Schulung und die Aufklärung zu einem sicherheitsgerechten Verhalten. Darauf können Vorgesetzte, Betriebsärzte, Betriebsräte, Sicherheitskräfte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit bei der Arbeit aufbauen.

Deshalb ist die Gefährdungsbeurteilung Pflicht

Die Gefährdungsbeurteilung ist für Unternehmen ein Muss, das ernst genommen werden sollte. Vernachlässigen Unternehmen die Analyse der Gefährdungen, drohen Ordnungsgelder. Im Schadensfall und bei Unfällen machen sie sich auch strafbar. Geräte und Maschinen wie Sägen, Chemikalien oder giftige Dämpfe stellen ein großes Risiko dar. Jährlich verletzten sich dadurch viele Mitarbeiter, werden chronisch krank oder kommen durch Unfälle ums Leben. Daher müssen Unternehmer darauf achten, dass die Mitarbeiter sicher und gesund arbeiten können.

Mögliche Gefahrenquellen werden durch die Gefährdungsbeurteilung offengelegt, und die Unternehmen können Vorbeugemaßnahmen treffen. Dazu zählen nicht nur offensichtliche Gefahren wie Chemikalien oder gefährliche Maschinen. Zur Gefährdungsbeurteilung gehört auch, dass die Raumtemperatur stimmt, dass die Mitarbeiter richtig am Arbeitsplatz sitzen, ob die Räumlichkeiten groß genug und ob ausreichend Sanitärräume vorhanden sind.

Schwierigkeiten für kleine Unternehmen

Obwohl die Gefährdungsbeurteilung nicht neu ist, beschäftigen sich immer wieder Unternehmen aufs Neue mit dem Thema. Die Prüfung ist seit den 1990er Jahren im Arbeitsschutzgesetz festgelegt. Bei der Umsetzung haben jedoch vor allem kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe ihre Schwierigkeiten. Zum einen muss auch die Arbeitsstättenverordnung eingehalten und die Ergebnisse der Beurteilung dokumentiert werden. Doch nur etwa 20 Prozent der Kleinunternehmen können eine vollständige, korrekte Gefährdungsbeurteilung dokumentieren bzw. vorweisen.

Ein Problem ist dabei vor allem die mangelnde Übersichtlichkeit der Arbeitsstättenverordnung.

Inzwischen ist sie zwar übersichtlich, doch Schwierigkeiten bleiben. Vor einiger Zeit wurde die Verordnung verschlankt und die Paragrafen und Anhänge reduziert. Die Verordnung ist allgemein formuliert und überträgt den Unternehmern mehr Verantwortung. In Großkonzernen ist das weniger problematisch. Doch kleine und mittlere Unternehmen können überfordert sein. Es fehlt die verbindliche Festlegung für Maß und Zahl und es gibt zu viele unbestimmte Rechtsbegriffe. Mehr Klarheit sollen dabei die Technischen Regeln für Arbeitsstätten bringen.

In der Regel können die Verantwortlichen und Führungskräfte die Gefährdungsbeurteilung selbst durchführen. Im Grunde geht es um einige wenige Paragrafen der Arbeitsstättenverordnung. Dennoch können Unternehmen bei Berufsgenossenschaften Unterstützung in Form von Check-Listen und Infomaterial anfordern. Auch Fachkräfte für Arbeitsschutz, Betriebsärzte etc. können weiterhelfen.

Gefährdungsbeurteilungen von Spezialisten

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, holt sich einen Experten ins Unternehmen, um die Gefährdungsbeurteilung durchführen zu lassen. Fachkräfte für Arbeitssicherheit wissen, worauf es ankommt. Zunächst ist die derzeitige Situation im Unternehmen zu analysieren. Außerdem sind Gespräche mit den Vorgesetzten und den Mitarbeitern notwendig, um die Abläufe und Situation der Arbeitsplätze zu besprechen. Mögliche Gefährdungen müssen schriftlich festgehalten werden. Außerdem werden Vorschläge und Maßnahmen erarbeitet, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu verbessern.

Den Unternehmern muss klar sein, dass es sich bei der Gefährdungsbeurteilung keineswegs um eine einfache Mängelliste wie beim TÜV für das Auto handelt. Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind also Berater, die auf mögliche Gefahren und Risiken hinweisen und aufmerksam machen. Ihre Vorschläge müssen nicht zwingend umgesetzt werden. Im weiteren Verlauf ist dennoch der Unternehmer in der Pflicht. Er muss konkrete Maßnahmen umsetzen, um die Gefährdungen zu verringern. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, sich um die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter zu kümmern. Ein sicheres Arbeitsumfeld ist wesentlich für eine zuverlässige Arbeit.

Mögliche Straftaten und Ordnungswidrigkeiten

Ignoriert man die Vorschläge des Experten für Arbeitssicherheit und vernachlässigt der Unternehmer mögliche Maßnahmen, um vor Gefahren zu schützen, kann das Konsequenzen haben. In diesem Fall handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Sie liegt vor, wenn die Gefährdungsbeurteilung nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig dokumentiert wurde.

Kann dem Unternehmer gar Vorsatz nachgewiesen werden, macht er sich strafbar. Die zuständigen Ämter für Gewerbeaufsicht sehen meist von drakonischen Strafen ab. Vielmehr bemühen sie sich um Kooperation und Kommunikation mit den Unternehmen. Dies führt in der Regel eher zum Erfolg. Sicher vor Strafverfolgung sind Unternehmer dennoch nicht.

Einen geeigneten Experten finden Unternehmer z. B. beim Verband Deutscher Sicherheitsingenieure. Abschließend lässt sich nicht sagen, welche Kosten mit einer umfassenden Gefährdungsbeurteilung auf die Unternehmen zukommen. Das hängt stark vom Betrieb ab. So macht es einen Unterschied, ob ein kleiner Friseursalon mit vier gleichen Arbeitsplätzen geprüft wird oder ob die Gefährdungsbeurteilung in einer europaweit tätigen Edelstahlschweißerei durchgeführt wird.

Doch hier sollte man nicht am falschen Ende sparen. Große Unternehmen verfügen in der Regel über einen Arbeitssicherheitsausschuss, der viele Aufgaben in diesem Bereich übernehmen kann. Für die Unternehmer bedeutet das, dass sie zwar verantwortlich sind, jedoch nicht alles selbst in die Hand nehmen müssen. Allerdings muss klar sein, wer welche Aufgaben bis wann übernimmt.


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